Andachten

Vom Christusverfolger zum Christusverkündiger

„Saulus aber schnaubte immer noch Drohung und Mord gegen die Jünger des Herrn, ging zu dem Hohen Priester und erbat sich von ihm Briefe nach Damaskus an die Synagogen, damit, wenn er einige, die des Weges wären, fände, Männer wie auch Frauen, er sie gebunden nach Jerusalem führe. Als er aber hinzog, geschah es, dass er sich Damaskus näherte. Und plötzlich umstrahlte ihn ein Licht aus dem Himmel; und er fiel auf die Erde und hörte eine Stimme, die zu ihm sprach: Saul, Saul, was verfolgst du mich? Er aber sprach: Wer bist du, Herr? Er aber sagte: Ich bin Jesus, den du verfolgst. Doch steh auf und geh in die Stadt, und es wird dir gesagt werden, was du tun musst!“ (Apostelgeschichte 9,1-6)

Mit der Bekehrung des Kämmerers aus Äthiopien der fröhlich seines Weges zog und der Entrückung des Philippus, richtet Gott unseren Blick, durch seinen Knecht Lukas, wieder Richtung Jerusalem, wo ein gewisser Saulus noch immer dabei ist, gegen die Jünger des Herrn vorzugehen. Lukas beschreibt den Saulus an dieser Stelle wie ein wild gewordenes Tier mit Schaum vor dem Mund und rasend vor Wut, dass nicht mehr klar denken kann. Hatte Saulus bei Stephanus Steinigung seine Hände noch nicht dreckig gemacht, schreckt er nun nicht davor zurück Männer und Frauen der „Sekte“ die des Weges sind gefangen zu nehmen und zwar nicht nur in Jerusalem, sondern auch über die judäischen Grenzen hinweg, z.B. in Damaskus. Und so reitet Saulus, im falschen Denken, er würde Gott wohlgefällig handeln, mit einigen Männern, die ihm bei dieser Aufgabe helfen sollen und mit der amtlichen Autorität der Hohen Priester los, Richtung Damaskus.

Doch Saulus schafft es noch nicht einmal aus eigener Kraft in die Stadt hinein, geschweige denn, einige der Jesus-Anhänger gefangen zu nehmen, denn kurz vor Damaskus umstrahlt ihn ein Licht aus dem Himmel. Dass das kein gewöhnlicher Sonnenschein war, wird daran deutlich, dass Saulus zu Boden geworfen/ zu Boden gerissen wird. Vielleicht kann man sich das in gewisser Weise so vorstellen, wie bei der Geburt Jesu, als die Herrlichkeit Gottes die Hirten umleuchtete. Doch waren es damals „nur“ Engel, die zu den Hirten sprachen, was trotzdem dazu führte, dass sie sich mit großer Furcht fürchteten (Lk 2,9). Aber hier begegnet Saulus dem auferstandenen und verherrlichten Jesus, dessen Herrlichkeit weitaus gewaltiger ist. Interessanterweise spricht Jesus kein Verdammungsurteil über Saulus aus, was absolut gerechtfertigt wäre, sondern stellt ihm eine Frage:

Saul, Saul, was verfolgst du mich?

Mit dieser Frage, macht Jesus unter anderem deutlich, wie sehr er sich mit seiner Gemeinde identifiziert. Die des Weges mit Jesus sind, sind nicht nur seine Knechte, Freunde oder Familienangehörige – was ja bereits unfassbar ist – sondern Jesu Gemeinde ist mit Jesu Leib gleichzusetzen. Wer die Gemeinde Gottes verfolgt, verfolgt Jesus Christus selbst! Was für ein mutmachender Gedanke, dass es Jesus nicht egal ist, wie die Welt mit seinen Jüngern umgeht, sondern dass er jeden Angriff auf seine Kinder als einen Angriff auf sich selbst sieht.
Diesen Jesus hatte Saulus nicht auf dem Zettel und seine Antwort zeigt, dass er wirklich überrascht ist und wohl nie damit gerechnet hat, dass die vermeintlichen Lügen der Christen, über das Leben Jesu, seinen Messiasanspruch und dann auch über seine Auferstehung, sich doch als wahr herausstellen würden. Von seinem hohen Ross in den Staub der Landstraße gestoßen, bleibt ihm nur noch zu fragen, wer dieser mächtige Herr ist, mit dem er es hier zu tun hat. Die Antwort muss ihn förmlich durchstoßen haben:

Ich bin Jesus, den du verfolgst.

Wenn wir damals zur Gemeinde gehört und die Macht gehabt hätten, die Jesus besitzt, wir hätten statt dem Licht wahrscheinlich eher Feuer vom Himmel fallen lassen, um diesen Feind der Christen zu vernichten. Doch statt einem Urteilsspruch bekommt Saulus von Jesus einen Auftrag, nämlich in die Stadt Damaskus zu gehen und das zu tun, was ihm da gesagt werden wird. Saulus ist gehorsam, doch nicht aufgrund dieses erstaunlichen Ereignisses oder weil er jetzt blind war und keine andere Möglichkeit hatte, als von den Männer in die Stadt geführt zu werden, sondern weil er erkannt hat, dass das Zeugnis der Gläubigen über Jesus wahr ist.
Diese Begegnung wird das Leben des Saulus komplett verändern, nichts ist mehr wie zuvor. Das, was Saulus einst als höchst erstrebenswert angesehen hatte, wird er rückblickend einige Jahre später als Verlust, als Dreck beschreiben, verglichen mit der Erkenntnis Jesu Christi. Dieses, von Gott auserwählte Werkzeug, ein Hebräer von Hebräern und damit ein Nachkomme Sems, wird eines Tages den Namen vor Nationen, vor Könige und vor die Söhnen Israels tragen, den er bis vor kurzem noch auszulöschen versucht hatte.