Andachten

Der Vorhang im Tempel (1/2)

„Und der Vorhang des Tempels zerriss in zwei Stücke, von oben bis unten.“ (Markus 15,38)

Als Jesus am Kreuz seinen Geist dem Vater übergab, geschahen ungewöhnliche Dinge: Tote wurden zum Leben erweckt, Erdbeben erschütterten die Gegend und im Tempel wurde ein dicker Vorhang von oben bis unten zerrissen. Dieser Vorhang schied den heiligen Innenbereich vom Allerheiligsten: Dem Bereich, in dem Gott in besonderer Weise anwesend war. Er hatte mindestens folgende drei Funktionen:
Erstens schützte er die Menschen davor, Gott zu nahe zu kommen. Wer immer sich Gott näherte, musste aufgrund seiner eigenen Sündhaftigkeit befürchten, augenblicklich zu sterben (wie z.B. Usa in 2. Samuel 6). Der Vorhang war also Gottes Gnade, die Menschen vor seiner verzehrenden Gegenwart zu schützen.
Zweitens zeigte der Vorhang, dass niemand in die Nähe Gottes kommen konnte, wenn er/sie nicht völlig rein war. Diese Reinheit spracht Gott nur dem Hohenpriester einmal im Jahr in einer besonderen Zeremonie zu, dem großen Versöhnungstag. Selbst an diesem wurde dem Priester eine Schnur um sein Bein gebunden, damit er bei dem möglichem Tod in der Gegenwart Gottes hinterher aus dem Allerheiligsten gezogen werden konnte.
Drittens zeigte er, dass Gott sich an einen Ort band. Er wollte seine Gegenwart auf das Volk Israel fixieren und machte das durch das Wohnen inmitten seines Volkes hinter einem blickdichten und undurchdringlichen Vorhang auch für alle sichtbar. Andere Nationen hatten keine Chance, auch nur in die Nähe des Vorhangs zu kommen.

Mit dem Tod Jesu wurden alle drei Funktionen aufgehoben: Durch seinen Tod ist es jetzt möglich, völlig ohne Angst vor Gott zu erscheinen. Wie der Hohepriester einmal im Jahr nur durch das Blut von Tieren ins Allerheiligste durfte, dürfen Christen jetzt jederzeit mit Verweis auf das Blut Jesu vor Gottes Thron kommen (vgl. Hebr. 10,19-22). Er verschafft uns Reinheit, nicht weil wir rein wären, sondern weil Jesus völlig rein und perfekt ist und wir auf seine Stellvertretung schauen, wenn wir uns Gott nahen. Und auch die örtliche Bindung ist nicht mehr gegeben, auch wir als „Heiden“ haben das Recht zugesprochen bekommen, in Gottes Gegenwart zu leben. Als seine Gemeinde haben wir sogar die feste Zuversicht, dass Gott auf der neuen Erde mitten unter uns, seinem Volk, leben wird (Off 21,3).

Wir dürfen staunen und uns freuen: Unser Gott kam in Jesus Christus auf diese Erde und hat die Trennung zu ihm überwunden! Eine besondere Auswirkung dessen wollen wir morgen in der nächsten Andacht dieser Reihe anschauen.