Andachten

Der Vorhang im Tempel (2/2)

„Und der Vorhang des Tempels zerriss in zwei Stücke, von oben bis unten.“ (Markus 15,38)

Gestern haben wir gesehen, dass der Vorhang vorrangig drei Funktionen hatte, die durch Jesu Tod aufgelöst wurden. Heute wollen wir uns besonders ein Privileg anschauen, das uns durch die Trennung des Vorhangs gegeben wurde. Ich möchte das anhand eines Beispiels machen, um uns die Größe Gottes vor Augen zu malen:

Stell dir mal unsere weltweiten Ozeane vor. Unendliche Weiten aus tiefem Blau, schwarze Wellen und grüne Lagunen. Selbst alle U-Boote der Welt reichen nicht aus, um den Grund all dieser Tiefen zu erforschen. Abermillionen von Kubikmetern Wasser, die in kein Gefäß der Welt passen. Auf der einen Seite: Massen, die gefährlich und mächtig sind, unberechenbar und für den Menschen nicht zu bändigen. Und dennoch erfreuen wir uns an ihnen, lassen unsere Kinder an ihren Stränden spielen und planschen im Wasser. Die Ozeane versorgen Milliarden von unterschiedlichen Tieren und sind unersetzbar für unser Ökosystem. Wir könnten unser Leben und viele weitere darauf verwenden, um diese großen Gewässer zu erforschen und kämen wohl doch nie an ein befriedigendes Ende.

Durch die Trennung des Vorhangs gibt Gott uns das Vorrecht, ihn kennen zu lernen. Die meisten Bibelschüler stellen das in ihren Bewerbungen heraus: „Ich möchte Gott durch das Bibelstudium besser kennenlernen.“ Und genau das ist es, was wir durch Gottes Gnade tun dürfen: Ihn immer mehr zu erkennen. Durch seine Gnade hat er uns wiedergeboren und damit die Augen für seine Schönheit gegeben. Wir sehen ihn in seinen unterschiedlichen Facetten und kommen ins Staunen. Wir forschen in seinem Wort, sehen seine Schönheit in der Schöpfung, lesen schlaue Gedanken in Büchern und reden mit ihm. Wir freuen uns an seiner Kreativität, bekommen Furcht beim Lesen von Berichten, die seine Heiligkeit widerspiegeln. Unser Leben darf und sollte sich darum drehen, ihn immer mehr zu verstehen und zu lieben. Und selbst der am besten belesene Theologe, der auf sein Leben zurückblickt, viele Bücher gelesen und selbst geschrieben hat, der eine innige Beziehung zu Gott hatte und Zeit seines Lebens nur darauf bedacht war, Gott besser kennen zu lernen wird beim Erwachen in der Ewigkeit merken: Alles Wissen dieser Erde über unseren Gott war doch nichts mehr als nur ein Tropfen des großen Ozeans von Gottes unermesslicher Tiefe, Schönheit und Größe.

Nicht nur dieses sondern unser ganzes (ewiges) Leben werden wir darauf verwenden, Gott immer besser kennen zu lernen. Als seine Geschöpfe und sein Volk hat er uns dazu in die Lage versetzt. Wir werden die Ewigkeit damit zubringen, die Tiefen und Höhen seiner Gnade zu verstehen, seine Weisheit kennen zu lernen und ihn um seiner selbst Willen mehr und mehr zu genießen. Das hat er uns am Kreuz durch die Hinwegnahme der Trennung deutlich gemacht. Lasst uns darauf freuen und jetzt schon anfangen, den Ozean von Gottes Größe zu erforschen.