Andachten, Gastbeitrag

Gastbeitrag: Psalm 130 | 3/4

Ich harre des HERRN, meine Seele harret, und ich hoffe auf sein Wort. 
Meine Seele wartet auf den Herrn mehr als die Wächter auf den Morgen; mehr als die Wächter auf den Morgen.“ (Psalm 130,5-6)

Wie ich bereits in den vorhergehenden Teilen (schau hier nach: Teil 1 | Teil 2) erwähnt habe, können wir den Psalm 130 auf der einen Seite als eine Anleitung für die persönliche Andacht, oder sogar als Aufbau für das persönliche Gebet nehmen. Auf der anderen Seite gibt uns der Psalm 130 einen guten Ratschlag, wie wir unser geistliches Leben gestalten sollen. Während wir in den vorderen Perikopen eher eine punktuelle (wiederkehrende) Handlung angeschaut haben, geht es in der heutigen Perikope eher um einen kontinuierlichen Vorgang. 

Wir sollen des Herrn harren, sagt der Psalmist. Diese Worte stehen im kompletten Gegensatz zu dem was heutzutage gelehrt wird. „Du schaffst das, du musst an dich glauben, denke positiv usw.“. Das sind alles „gute“ Ratschläge, wie wir unser Leben erfolgreich gestalten können. Der Psalmist hingegen weiß, wo seine Kraft ist. Er weiß, dass er ohne Gott verloren und verdammt ist (siehe Verse 1-4). Darum traut er auf Gott allein und nicht auf seine eigene Kraft. Diese Gesinnung sollen auch wir haben, in dem wir das Wort Gottes lesen, darauf vertrauen und uns von Tag zu Tag durch den Heiligen Geist verändern lassen. Das Wort soll eine Auswirkung haben auf unser Denken, Reden und Handeln.

Denke über diese Frage nach: „Liest du die Bibel, damit du anderen sagen kannst was wichtig und richtig ist im Leben, oder liest du die Bibel damit Gott durch seinen Geist in dir eine Veränderung bewirkt, welche in deinem ganzen Umfeld sichtbar und spürbar wird?“ Die Antwort auf diese Frage ist einfach, doch wie sieht es mit der Umsetzung aus? Hans Peter Royer hat einmal gesagt: „Christsein ist nicht einfach, es ist auch nicht schwer; es ist unmöglich.“ Ich stimme dieser Aussage zu, denn nur durch Gnade sind wir errettet und nur mit der Kraft Gottes können wir ein Leben führen, das IHN ehrt. Darum lasst uns demütig zu IHM kommen und uns immer wieder bewusst werden, dass wir komplett von IHM abhängig sind.

Der Vergleich mit dem Wächter passt sehr gut zum Leben eines Christen. Wir sollen wachsam sein, denn es ist noch Nacht. Wir leben noch in dieser dunklen Welt und erleben Angriffe des Feindes. Doch weil wir auf der Seite des Siegers sind, dürfen wir auf seine Verheißungen vertrauen und sind somit diesen Angriffen nicht schutzlos ausgeliefert. Das Wort Gottes gibt uns Anweisung, wie wir in diesem Kampf standhaft sein können (z.B. Eph 6,10-18), nicht aus eigener Kraft, sondern indem wir auf Jesu Sieg hoffen und trauen. Wie der Psalmist sagt, sollen wir auf den Herrn, auf unser Ziel warten: auf die Erlösung von der Nacht dieser Welt. Dieses Thema wird in der letzten Folge dieser Miniserie entfaltet.

Diese Andacht hat André Freiburghaus geschrieben. André ist verlobt, er hat 3 Jahre Theologie studiert und bereitet sich für einen Langzeitmissionseinsatz in Papua-Neuguinea vor.