Andachten

Hörer sein

„Ihr sollt wissen, meine lieben Brüder: Ein jeder Mensch sei schnell zum Hören, langsam zum Reden, langsam zum Zorn.“ (Jakobus 1,19)

Jakobus schrieb einen Brief an die allgemeine Christenheit. Dieser Brief ist vollgepackt mit Weisheit. Er spielt immer wieder auf das Alte Testament und dort vor allem auf das Buch der Sprüche an, nimmt aber auch die Gedanken von Jesus und dort insbesondere der Bergpredigt auf. Auch in seinem Abschnitt über das Hören und Tun (1,19-27) greift er auf Gottes offenbarte Weisheit zurück. In Sprüche 18,13 finden wir den Ausspruch: „Wer antwortet, ehe er zuhört, dem ist´s Schande!“ Diese Wahrheit macht Jakobus in seinem Vers 19 deutlich: Das Hören kommt vor dem Reden und sollte immer unser erster Impuls sein.

Wie ist man denn schnell zum Hören? Stellt man bei YouTube einfach die Geschwindigkeit auf 1,5? Das kann Jakobus aus zwei Gründen nicht gemeint haben: 1. Damals gab es noch kein YouTube :). 2. Er zeigt mit dem „schnellen Hören“ auf, dass wir schnell sein sollen, zuzuhören. Es geht also darum, bereit zu sein, erst einmal zuzuhören und in diesem Bereich zu wachsen. Dabei ist wichtig, was „Hören“ überhaupt ist. Es gibt Aussagen wie: „Ins eine Ohr rein, aus dem anderen wieder heraus.“ Das ist eine falsche Art des Hörens. Bei Jakobus und generell beim biblischen Hören geht es um das bewusste Aufnehmen von Gottes Wahrheiten, das Verarbeiten und darüber Nachsinnen. Wenn die Propheten das Volk angeklagt haben, dass sie mit ihren Ohren hören und doch nicht hören machen sie diesen Punkt deutlich: Nicht der ist ein guter Hörer, der einfach nur dasitzt und die akustischen Signale aufnimmt, sondern der, der sich mit dem Gehörten beschäftigt, Anteil nimmt und persönlich auseinandersetzt. Sonst ist selbst das schnellste Hören nur verschwendete Liebesmüh.

In zwischenmenschlichen Beziehungen sind wir darauf angewiesen, dass wir einander zuhören. In der Ehe ist die Kommunikation darauf angewiesen, sich gegenseitig ausreden zu lassen und das Geredete zu hören und zu überdenken. Wenn meine Frau mir von ihrem Tag erzählt wäre es fahrlässig, ihr dabei nur halbherzig oder oberflächlich zuzuhören. Wir brauchen Konzentration und Aufmerksamkeit, um wirklich gute Hörer zu sein. Aber Jakobus bezieht diesen Punkt nicht nur auf das zwischenmenschliche Zuhören, sondern vor allem auf das Hören auf Gottes Wort. Und hier wird es essenziell: Wenn wir bei Gottes Wort nur halbherzig oder oberflächlich zuhören kann es sein, dass wir wie das Volk Israel Menschen sind die „hören und doch nicht hören“. Und bei Gottes Wort steht mehr auf dem Spiel als in jeder Ehe oder zwischenmenschlichen Beziehung: Wenn wir das falsch verstehen geht es um ewige Aspekte. Lasst uns also bereit sein, auf sein Wort zu hören: In Predigten, in der persönlichen Bibellese, in der Seelsorge, in Gesprächen mit anderen, die uns Gottes Wort weitergeben. Lasst uns zu guten Hörern werden, das ist ein wichtiger Anfang in der Argumentation von Jakobus.

In der nächsten Andacht werden wir sehen, wie wichtig ein langsames Reden und ein langsamer Zorn ist.