Andachten

Christen sind nicht auf sich allein gestellt

„Als aber viele Tage verflossen waren, ratschlagten die Juden miteinander, ihn umzubringen. Es wurde aber dem Saulus ihr Anschlag bekannt. Und sie bewachten auch die Tore sowohl bei Tag als auch bei Nacht, damit sie ihn umbrächten. Die Jünger aber nahmen ihn bei Nacht und ließen ihn durch die Mauer hinab, indem sie ihn in einem Korb hinunterließen. Als er aber nach Jerusalem gekommen war, versuchte er, sich den Jüngern anzuschließen; und alle fürchteten sich vor ihm, da sie nicht glaubten, dass er ein Jünger sei. Barnabas aber nahm ihn und brachte ihn zu den Aposteln und erzählte ihnen, wie er auf dem Weg den Herrn gesehen habe und dass der zu ihm geredet und wie er in Damaskus freimütig im Namen Jesu gesprochen habe.“ (Apostelgeschichte 9,23-27)

Der Schreiber der Apostelgeschichte überbrückt die Zeit zwischen Vers 22 und 23 mit der Beschreibung als aber viele Tage verflossen waren ohne dabei näher darauf einzugehen. In Galater 1,17 erfahren wir aber durch Paulus selbst, dass er aus Damaskus nach Arabien zog, das südöstlich von Damaskus lag und etwa das Gebiet bis zur Sinaihalbinsel einschloss. Daraufhin kehrte Paulus wieder nach Damaskus zurück, um dann, nach einem Zeitraum von drei Jahren, erstmals nach Jerusalem hinauf zu ziehen.

Wir steigen mit unserem Text also in das Geschehen nach der Rückkehr des Saulus nach Damaskus ein und können anhand der Reaktion der Juden davon ausgehen, dass er genau dort weitermachte, wo er in Vers 22 aufgehört hatte, nämlich das Evangelium Jesu zu predigen und zu beweisen, dass Jesus der Christus ist. Wie sah denn die Reaktion der Juden aus? Sie beratschlagten, wie sie ihn umbringen könnten und beziehen in ihre Mordpläne auch die staatliche Obrigkeit in Person des Statthalters des Königs Aretas mit ein, wie Paulus in 2.Korinther 11,32 selbst schildert. Saulus saß also in Damaskus mehr oder weniger in der Falle, da alle Tore bei Tag und sogar bei Nacht bewacht wurden und es nur eine Frage der Zeit gewesen wäre, bis sie ihn innerhalb der Stadt in ihre Hände gekriegt hätten. Doch Paulus war in dieser heiklen Situation nicht auf sich allein gestellt. Saulus wurde durch seine Bekehrung in eine geistliche Familie hineingeboren und so erfuhr er nun die Hilfe der Jünger in Damaskus, indem sie ihn durch ein Fenster in der Mauer in einem Korb hinunterließen und somit zur Flucht verhalfen (2.Kor 11,33).

Es ist bewundernswert, wie die Jünger bei dieser Nacht und Nebel Aktion ihren Kopf riskierten, um ihrem ehemaligem Feind das Leben zu retten, denn wäre sie von den Wachen dabei erwischt worden, dann hätten sie wohl alle den Hass der Juden zu spüren gekriegt. Und so kommt Saulus, drei Jahre nach seiner Begegnung mit Jesus vor Damaskus, nach Jerusalem und sucht dort gleich die Gemeinschaft mit den Jüngern auf. Doch wie sehr muss Paulus enttäuscht und auch verletzt gewesen sein, als er von seiner neuen Familie nicht aufgenommen sondern abgewiesen wurde? Gerade jetzt, war er darauf angewiesen, dass seine Brüder und Schwestern ihn aufnahmen, doch stattdessen wichen sie zurück und hielten ihn für einen Wolf im Schafspelz. Zwar hatten sie davon gehört, dass Saulus angeblich die Seiten gewechselt habe, doch nahmen sie es ihm nicht ab. Zu tief saßen die Wunden, die Saulus der Gemeinde in Jerusalem zugefügt hatte.

Gott sei Dank, gab es aber nicht nur in Damaskus einen Hananias, sondern auch in Jerusalem einen Barnabas. Josef, der von den Aposteln den Spitznamen Barnabas (Sohn des Trostes) erhalten hatte, stellte bereits in Kapitel 4,36.37 seine Hingabe für das Reich Gottes unter Beweis, indem auch er einen Teil seines Besitzes zum Wohl der Gemeinde verkaufte. Barnabas gehörte nicht zu den ängstlichen und zurückweichenden Brüder, sondern zu denen, die in der Stunde der Not den Betroffenen beistehen und den Niedergeschlagenen neue Hoffnung und Trost geben. Das war bestimmt keine Kurzschlussreaktion des Barnabas, indem er unbedacht ins offene Messer lief, doch vertraute er auf Gott, nahm Saulus (wörtlich: bei der Hand) und führte ihn zu den Aposteln, wo er für ihn Partei ergriff. Von diesem Moment an, ging Saulus mit den Gläubigen in Jerusalem aus und ein und sprach freimütig im Namen des Herrn zu den Hellenisten, jener Gruppierung, die auch Stephanus im Blick gehabt hatte. So dauert es gerade einmal zwei Wochen, bis auch diese Juden mit griechischem Hintergrund dem Saulus nach dem Leben trachten. Erst 15 Tage in Jerusalem und schon erfährt Saulus eine härtere Verfolgung als z.B. Petrus oder die anderen Aposteln. Aber warum das? Ich glaube nicht, dass die Predigten des Saulus ein größeres Ärgernis für die Hellenisten darstellten, als es die Verkündigung der anderen Apostel tat, doch war die Wandlung des Saulus gewissermaßen der lebende Beweis dafür, dass Christus doch auferstanden war. Wie sollte diese radikale 180° Drehung sonst erklärt werden?

So muss Paulus wieder fliehen, doch diesmal nicht alleine, sondern in Begleitung der Brüder, die ihn nach Cäsarea brachten, von wo aus er nach Tarsus reiste. Durch den Einsatz eines Sohn des Trostes wurden diese Brüder von ängstlichen und zurückweichenden Männer zu solchen, die einem Verfolgten beistanden und „Geleitschutz“ gaben. Und so stellt sich für uns die Frage:

Für wen können wir in unserem Umfeld ein Sohn oder eine Tochter des Trostes sein?