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Buchempfehlung: „Die Botschaft des Neuen Testaments“

Rezension von „Die Botschaft des Neuen Testaments“ von Josia & Ludwig Rühle (Hrsg.) – 3L-Verlag; die Rezension ist auch beim Timotheus-Magazin und Josia-Truth for Youth erschienen

Hast du schon einmal mit Pfeil und Bogen geschossen? Dazu braucht es ein genaues Auge, viel Präzision und den richtigen Augenblick, um den Pfeil loszulassen. Der Pastor der Bekennenden Evangelischen Gemeinde in Osnabrück, Ludwig Rühle, hat mit zwölf weiteren Autoren1 Pfeile hergestellt, die ein gemeinsames Ziel haben: Dein Herz!

Was sich im ersten Augenblick wie ein Kriegsgeschehen liest, ist in Realität ein kurzer Einblick in ein wunderbares Buchprojekt von Ludwig Rühle und dem Jugendnetzwerk „Josia- Truth for Youth“. Letztes Jahr erschien im 3L-Verlag das über längere Zeit erarbeitete Buch „Die Botschaft des Neuen Testaments“. In dieser Rezension werde ich erklären, welches Anliegen das Buch hat und dass es sich definitiv lohnt, es zu lesen!

Pfeile, die ein Ziel haben!

„Lass dich treffen!“ – Diese Botschaft ziert den Buchrücken des erschienenen Werkes. Aber womit schießen die Autoren? Mit biblischen, evangeliumszentrierten Buch-Predigten zu den 27 Büchern des NT. Vom Evangelium nach Matthäus bis zur Offenbarung des Johannes haben sich 13 Pastoren und Theologen aus ganz Deutschland Gedanken gemacht, wie die einzelnen Bücher im Überblick weitergegeben werden können.

Das Grundanliegen des Buches ist dabei einfach: Beim Bibel lesen kann man schnell den Überblick verlieren. Um diesen aber zu behalten braucht es einen Erkundungsflug über die Themen und groben Inhalte der einzelnen biblischen Bücher. Wer diesen Überblick hat, findet sich in den einzelnen Abschnitten viel besser zurecht. Und hier möchte „Die Botschaft des Neuen Testaments“ helfen: Auf gut 360 Seiten wird jedes Buch des NT erklärt.

Mit durchschnittlich 13 Seiten pro Buch bringen die Autoren die Hauptaussagen der Bücher auf den Punkt und lassen genug Platz für persönliche Anwendungen und Illustrationen. Durch Gebete und Reflexionsfragen werden die Inhalte der Bücher praktisch und persönlich. Alle drei Bereiche – Kopf, Herz und Hand – werden damit angesprochen. Die Predigten sind keine trockenen Abhandlungen oder bloße Einführungen in das Neue Testament: Sie sind auf das Herz des Lesers abzielende Pfeile, die zur Veränderung beitragen.

Pfeile, die unterschiedlich sind!

Um einen kleinen Einblick in das Buch zu geben habe ich mir drei unterschiedliche Predigten genauer angeschaut: Ein Evangelium (Matthäus), ein Brief von Paulus (Philipper) und ein eher unbekannter Brief von Johannes (3. Johannes).

Matthäus

Die erste Predigt (S. 13-24) kommt von Sebastian Heck, Pastor der Selbständigen evangelisch-reformierten Kirche in Heidelberg. In dieser bildet er mit dem Evangelium nach Matthäus die Schnittstelle zwischen Altem und Neuem Testament. Er zeigt den roten Faden auf, den Matthäus in seinem Evangelium vorgibt: Das Himmelreich, das kommt. Dabei steht eine Person im absoluten Mittelpunkt der Predigt: Jesus Christus. Sebastian zeigt auf, wie Jesus der wahre Nachkomme Abrahams ist, er ist der wahre Mose, der wahre König, Priester und Prophet. In ihm erfüllen sich alle Verheißungen: Er ist das vollkommene Israel und der Retter, auf den so lange gewartet wurde. Um ihn dreht sich das komplette Matthäus-Evangelium und die Predigt zeigt deutlich, wie wichtig das ist – auch für uns heute.
Viele Bücher des NT sind wie das Matthäus-Evangelium: Man hat es schon öfter gelesen und vielleicht sogar schon einige Predigten dazu gehört. Aber durch diesen Überblick kann man viel besser nachvollziehen, warum bestimmte Passagen in dem Buch stehen und wozu es eigentlich da ist. Hier lohnt es sich, einmal den „Wald“ gezeigt zu bekommen, bevor man sich den „Bäumen“ zuwendet.

Philipper

Wer im Gefängnis sitzt, redet meistens nicht von großer Freude, sondern seinem tiefen Leid. Anders war es bei Paulus in seinem Brief an die Christen in Philippi. Der Pastor der Freien-evangelischen Gemeinde München-Mitte, Matthias Lohmann, hat über diesen Brief gepredigt (S. 149-161). In seiner Einleitung fragt er, ob Christen überhaupt nach Freude streben dürfen. Mit dem Brief gibt er dann die Antwort: Ja, Christen sollten Freude haben, immer mehr! Und der Philipperbrief zeigt auch, warum. Wir dürfen Freude haben an allem, was Gott bereits für uns getan hat, was er im Moment tut und was er noch tun wird. Und das darf uns motivieren, auch im Hier und Jetzt unsere Freude im Miteinander zu haben. Konkret bedeutet das, einander zu dienen in der Art, wie auch Gott in Jesus uns gedient hat. Wer Freude erleben will, dient seinem Nächsten – ein der Welt fremdes und dem Christen sehr nahes Konzept.

3. Johannes

Mit nur 15 Versen ist der 3. Brief von Johannes einer der kürzesten Briefe des Neuen Testaments. Ludwig Rühle hat ihn näher angeschaut und schreibt auf den Seiten 317-327 über das große Thema des Briefs: „Trotz Ärger – in Liebe für die Wahrheit“. Einführend erklärt er den grundlegenden Kontext des Briefs und zeigt die beiden Hauptpersonen: Gajus und Diotrephes. Der eine übt Gastfreundschaft und Nächstenliebe trotz widriger Umstände (Gajus, S. 319ff.), der andere hält Menschen davon ab, Liebe zu zeigen (Diotrephes, S. 324ff.). Ludwig macht klar, dass wir Gajus´ positivem Bild folgen sollen und wie das praktisch aussehen kann. Ohne die beiden großen Themen aus dem Auge zu verlieren nimmt er in dieser Predigt fast eine „Vers-für-Vers“-Auslegung vor, weil der Brief so kurz ist. 
Gerade für die kleinen und unbekannten Briefe lohnt es sich, einen guten Überblick wie diesen zu lesen, da es meist sie sind, die bei Predigtreihen übergangen werden oder keine große Beachtung finden.

Pfeile, die treffen!

Zusammenfassend kann ich sagen, dass sich das Lesen des Buches für mich sehr gelohnt hat! Egal ob es „altbekannte“ Bücher wie die Evangelien sind oder eher unbekannte wie die kurzen Briefe: Die Predigten stellen Gottes Wort in den Mittelpunkt und sprechen sein Wort in das Leben des Lesers. Ob für Predigt- und Andachtsvorbereitung, die persönliche Zeit mit Gott oder für die eigene Ermutigung durch Gottes Wort – dieses gut geschriebene Buch hilft dem Leser, einen klaren Kopf zu bewahren und immer wieder hinzuschauen: Auf die „Botschaft des Neues Testaments“.

1 Alle Autoren: Daniel Knoll, Declan McMahon, Gottfried Rühle, Jochen Klautke, Jörg Wehrenberg, Ludwig Rühle, Matthias Lohmann, Raphael Schuster, Robin Dammer, Rudolf Tissen, Sebastian Heck, Simon Mayer, Simon Schuster