Andachten

Wunder, ein Mittel zum Zweck?

„Es geschah aber, dass Petrus indem er überall hindurchzog, auch zu den Heiligen hinabkam, die zu Lydda wohnten. Er fand aber dort einen Menschen mit Namen Äneas, der seit acht Jahren zu Bett lag; er war gelähmt. Und Petrus sprach zu ihm: Äneas! Jesus Christus heilt dich. Steh auf und mach dir selbst dein Bett! Und sogleich stand er auf. Und es sahen ihn alle, die zu Lydda und Scharon wohnten; die bekehrten sich zum Herrn.“ (Apostelgeschichte 9,32-35)

Nachdem sich Paulus nach Tarsus verabschiedet hat, lenkt Lukas der Arzt unseren Blick für die nächsten drei Kapitel auf den Apostel Petrus. Das erste, was uns bei Lukas Beschreibung auffällt, ist, dass Petrus nicht untätig irgendwo seine Zeit absitzt, sondern dass er für Gott unterwegs ist. Der Segen und Frieden, die der Vers 31 in ganz Jerusalem und Samaria beschrieben hatte, lassen den Apostel nicht nachlässig werden, nach dem Motto: Jetzt können wir nach den harten Zeiten der Verfolgung endlich mal entspannen. Nein, Petrus nutzt vielmehr diesen Moment der neu gewonnenen Freiheit, um die vielen Gemeinden, die in der Zeit der Verfolgung, durch die aus Jerusalem geflohenen Christen entstanden waren, zu besuchen und die Heiligen zu stärken. Petrus lässt sich von Gott gebrauchen und ist bereit die Metropole Jerusalem zu verlassen, um sich von ihm an der Mittelmeerküste gebrauchen zu lassen.

Diese Bereitschaft des Petrus wird Jesus benutzen, um ihm nur einige Zeit später das große Geheimnis der Gemeinde aus Juden und Heiden zu offenbaren. Doch zuerst gelangt Petrus nach Lydda und besucht dort einen Mann namens Äneas, der gelähmt war. Wir wissen nicht wodurch dieser Mann gelähmt wurde, vielleicht war es ein Arbeitsunfall oder eine Krankheit, die ihn seit acht Jahren ans Bett gefesselt hatte, doch auf jeden Fall können wir sagen, dass seine Situation hoffnungslos schien. Selbst in unserer Zeit mit all den technischen Hilfsmitteln besteht für Gelähmte oft keine Hoffnung auf Besserung, wie viel weniger zu der Zeit der Apostel? Doch bekanntlich gibt es bei Jesus keine hoffnungslosen Fälle, weder Krankheit noch der unüberwindbare Tod selbst stellen für unseren allmächtigen Vater ein Problem dar! Wie Jesus dem Petrus gezeigt hat, dass er den Äneas heilen will, wird nicht beschrieben, doch Petrus führt den Willen seines Herrn aus und heilt diesen Mann.

Ob Gott heute noch die Gabe der Heilung unter Christen austeilt oder ob bestimmte Gaben nur damals, als der biblische Kanon noch nicht abgeschlossen war, präsent waren, möchte ich an dieser Stelle nicht ausführen, doch sind mir einige Parallelen zwischen dieser Heilung und der Totenauferweckung der Tabita (Verse 36-43) aufgefallen, die ich kurz erwähnen möchte.
Erstens: beide Male war das Wunder eine spontane Aktion eines Apostels. Es wurde keine Werbung gemacht und keine Menschen dazu eingeladen. Es ist vielmehr so, dass Petrus die Schaulustigen aus Tabitas Zimmer hinaustreibt, ganz ähnlich wie Jesus es auch in Lukas 8,51 bei der Tochter des Jaïrus getan hatte.
Zweitens: In beiden Berichten lesen wir davon, dass sofort eine veränderte Situation eintrat. Äneas war sofort in der Lage sich sein Bett zu machen und ebenso öffnete Tabita in demselben Augenblick ihre Augen, als Petrus zu ihr sagte: Tabita, steh auf!
Drittens: Das Wunder hat nie eine Verehrung des Heilers zur Folge, sondern beiden Male lesen wir, dass, als sich die Nachricht verbreitet hatte, viele an den Herrn glaubten bzw. sich zu ihm bekehrten.

Es wird deutlich: Jesus befähigte seinen Apostel nicht diese Wunder zu tun, um der Wunder selbst willen, weil er Tabita noch ein paar Jahre auf dieser sündvollen und verdorbenen Erde schenken wollte, sondern weil er Menschen vor der ewigen Verdammnis retten wollte. Dass Äneas nun fähig war sein Bett selber zu machen oder dass Tabita noch ein paar Jahre den Witwen dienen konnte, waren sicher schöne Nebeneffekte, doch letztendlich geht es Gott nicht darum, dass wir hier auf Erden unser bestes Leben haben können, sondern alles was er tut, tut er um seines Namens willen. Und wodurch könnte dieser heilige Gott sich seinem Namen mehr Ehre geben, als in der Rettung von verlorenen Sündern?