Andachten, Gastbeitrag

Gastbeitrag: Psalm 130 | 4/4

Hoffe Israel auf den HERRN! Denn bei dem HERRN ist die Gnade und viel Erlösung bei ihm. Und er wird Israel erlösen aus allen seinen Sünden.“ (Psalm 130,7-8)

In diesem letzten Teil des Psalms zeigt uns der Psalmist eine weitere, herrliche Dimension der göttlichen Erlösung und Gnade auf. Obwohl der Psalmist hier von Israel spricht, dürfen wir neutestamentlichen Gläubigen wissen, dass damit das wahre Israel gemeint ist, welches uns miteinschliesst (Rö 4,9-12; Eph 2,11-22). In den vorhergehenden Versen sprach der Psalmist immer nur von seiner persönlichen Beziehung zu Gott. Nun aber in diesen letzten Versen spricht er plötzlich von Israel resp. von der Gemeinde. Warum macht der Psalmist diesen Wechsel? Sollte es nicht um eine persönliche Beziehung gehen?

Wir Europäer sind sehr stark vom Individualismus geprägt, was natürlich auch unseren Glauben beeinflusst. Doch gerade in diesem Psalm wird uns deutlich aufgezeigt, dass der Glaube nicht nur eine persönliche Angelegenheit ist. Sobald wir Kinder Gottes geworden sind, sind wir in einer neuen Familie, in der Familie Gottes. Wir sind eine neue Einheit, vereint durch den Heiligen Geist als Gemeinde Christi. Das Wort Gottes gebraucht verschiedene Bilder, um die neutestamentliche Gemeinde zu beschreiben und alle beschreiben die Einheit verschiedener Individuen (der Leib, die Braut, die Schafherde, der Tempel, die Stadt usw.).

Als Gemeinde sollen wir Gottes Auftrag ausführen und seinen Namen verherrlichen und bekannt machen an den Orten, wo Gott uns hingestellt hat. Wir sollen unseren Nächsten aufzeigen, dass nur bei Jesus Gnade und viel Erlösung zu finden ist. Diese Wahrheit wird in unserer toleranten Gesellschaft nicht toleriert und wir ernten dafür nicht unbedingt Respekt. Das musste ich erst kürzlich wieder feststellen. Doch diese Tatsache soll uns auf keinen Fall davon abbringen die Botschaft des Gekreuzigten weiterzugeben. Diese «tolerante» Gesellschaft ist nämlich nichts Neues unter der Sonne. Tatsächlich gleicht sie sehr der Römischen Gesellschaft im ersten Jahrhundert nach Christus. Alle Götter wurden akzeptiert, doch nur so lange auch der Römische Kaiser angebetet/verehrt wurde. Deswegen wurde der christliche Glaube dann auch verfolgt.

Wenn wir also in der Familie Gottes sind, sollen wir laut dem Psalmisten, gemeinsam auf den Herrn hoffen. In der Gemeinschaft mit Gläubigen, sollen wir einander ermutigen und fröhlich vorwärts gehen. Wir sind immer noch in dieser ungerechten Welt und wir hoffen auf die endgültige Erlösung von der Sünde und Ungerechtigkeit. In der verheissenen neuen Welt (Himmel) werden wir in Harmonie miteinander unseren Schöpfer verehren, wie es unserer Berufung entspricht. Wir können es uns nicht vorstellen und wir sind mit unserer jetzigen Welt beschäftigt, doch als Gemeinde sollen wir uns gegenseitig ermutigen und uns neu auf unser gemeinsames Ziel ausrichten. Das Ziel soll sein, dass keines unserer Geschwister zurückbleibt. Ist dies auch dein Ziel im Blick auf deine lokale Gemeinde?

Um uns aber gegenseitig ermutigen zu können müssen wir uns kennen. Wie pflegst du die Beziehungen zu deinen Geschwistern in der Gemeinde? Weisst du wo dein Bruder/Schwester steht? Sprichst du mit ihnen über deinen Glauben?  Sagst du, welche Kämpfe du hast? Ich möchte dich ermutigen diese Beziehungen zu vertiefen und so den Auftrag als Gemeinde Christi wahrzunehmen. Wir werden nicht nur als Individuen erlöst, sondern als Gemeinde, als Braut Christi.

Diese Andacht hat André Freiburghaus geschrieben. André ist verlobt, er hat 3 Jahre Theologie studiert und bereitet sich für einen Langzeitmissionseinsatz in Papua-Neuguinea vor.