Andachten, Gepredigt

Rote Soße auf weißem Hemd

„Ein reiner und unbefleckter Gottesdienst vor Gott ist der: (…) sich von der Welt unbefleckt halten.“ (Jakobus 1,27)

Sonntagmorgen. Um halb acht klingelt dein Wecker und du freust dich, dass heute Sonntag ist. Nach einem guten Frühstück ziehst du dich an. Da gleich der Gottesdienst stattfindet möchtest du dich entsprechend kleiden: Du entscheidest dich für das neue weiße Hemd und ziehst es an. Der Gottesdienst ist großartig und am Mittagstisch passiert dann das Unvermeidbare: Die Tomatensoße, die eigentlich nur Beilage eines guten Mittagsmenüs sein sollte wird plötzlich zur Hauptsache, als sie dir auf dein bis dahin weißes Oberteil tropft. Dir wird klar: Das Hemd kannst du für den Rest des Tages nicht mehr anziehen und wenn der Fleck nicht rausgeht, musst du es sogar wegwerfen. Schade.

Jakobus zeigt in seinem Brief auf, was seine Leser wissen sollten. Wenn jemand wirklich Gott gefallen will (das Wort „Gottesdienst“ aus unserem Vers kann am besten mit „gelebtem Glauben“ wiedergegeben werden) wird er sich von „der Welt unbefleckt halten“. Die Welt ist also wie rote Soße auf einem weißen Hemd. Als Christen sollen wir rein sein davon. Aber was ist „die Welt“? Und warum ist es so schlimm, wenn man sich damit befleckt?

„Die Welt“ steht in Gottes Wort und auch an dieser Stelle für das Gedankengut, das dem Wort Gottes gegenübersteht. Das sind also Grundsätze und Glaubensgrundlagen, die von Gott nicht geduldet, in nichtchristlichen (und leider ziemlich oft auch in christlichen) Kreisen aber völlig akzeptiert sind. Einer dieser Grundlagen wird im Moment ziemlich sichtbar. Es ist ein Satz, den wir alle schon oft gehört haben und vielen von uns und den Menschen, denen wir begegnen, ist er tief ins Herz gebrannt: „Hauptsache gesund!“. Heute wird so viel dafür getan, gesund und vital zu sein, dass sogar ganze Kontinente jegliche sonstige Freiheiten für diese Maxime zu opfern bereit sind. Auch in Gemeinden scheint hier völlige Einheit zu liegen: Schaut man sich an, wofür am meisten gebetet wird, wonach am meisten gefragt wird und was oft das Hauptthema ist, wird deutlich: Wir kommen dem Auftrag von Jakobus nicht nach. Wie dulden die rote Soße auf unseren Hemden, die wir doch eigentlich davon reinhalten sollten.

Gottes Maxime steht unserer Vorstellung von Glück stark entgegen. Er sagt nicht „Hauptsache gesund!“, sondern „Hauptsache zur Ehre Gottes!“. Ihm geht es bei Allem nicht in erster Linie um körperliche Unversehrtheit (sonst hätte der Leidensplan Christi gehörig daneben gegriffen), sondern um seine eigene Ehre. „Soli Deo Gloria!“ Wie schön wäre es, wenn dieser Satz wieder Grundlage, Ausrichtung und Ziel in unseren Gemeinden werden könnte. Wenn sich die Gespräche um Gott drehen würden, die Gebete zuerst mit dem Gott des Himmels und nicht der eigenen Körperlichkeit beginnen könnten und zuerst nach der seelischen Verfassung gefragt wird statt lediglich den vergänglichen Körper im Blick zu haben.

Falsche Maxime wie die genannte gibt es in der Gesellschaft und unter uns Christen zuhauf. Lasst uns unseren Glauben leben und uns von Gott und seinem Wort prüfen lassen, was er zu unseren Zielen und Vorstellungen sagt. Möge Gott uns helfen, dass wir mit unserem ganzen Leben „Soli Deo Gloria“ rufen, statt uns selbst zu verherrlichen und der roten Soße Raum zu geben, wo sie eigentlich nicht hingehört.

Die letzten drei Andachten habe ich aus meiner Predigt entnommen, die ich vor Kurzem in der FeG-MM halten durfte. Wer möchte, kann sich die ganze Predigt zu Jakobus 1,19-27 gerne auf https://youtu.be/muXbn8YJ2B8 anschauen.