Andachten

Eine unvollkommene Frömmigkeit

„Ein Mann aber in Cäsarea mit Namen Kornelius – ein Hauptmann von der sogenannten Italischen Schar, fromm und gottesfürchtig mit seinem ganzen Haus, der dem Volk viele Almosen gab und allezeit zu Gott betete – sah in einer Erscheinung ungefähr um die neunte Stunde des Tages deutlich, wie ein Engel Gottes zu ihm hereinkam und zu ihm sagte: Kornelius! Er aber sah ihn gespannt an und wurde von Furcht erfüllt und sagte: Was ist, Herr? Er sprach aber zu ihm: Deine Gebete und deine Almosen sind hinaufgestiegen zum Gedächtnis vor Gott. Und jetzt sende Männer nach Joppe und lass Simon holen, der den Beinamen Petrus hat!“ (Apostelgeschichte 10,1-5)

Geografisch befinden wir uns noch immer an der Mittelmeerküste im, von den römischen Legionen besetzten, Israel. Nachdem Petrus diese zwei außergewöhnliche Wunder, die Heilung des gelähmten Äneas und die Totenauferweckung der Tabita, gewirkt hatte, blieb er noch viele Tage in Joppe, wo viele Menschen zum Glauben gekommen waren. Zur gleichen Zeit, nur etwa 50km nördlich von Petrus Herberge, nämlich in Cäsarea erfahren wir von Lukas, wie Gott daran arbeitet auch die letzte Begrenzung für das Evangelium abzuschaffen, da bis zu diesem Zeitpunkt die frohe Botschaft fast ausschließlich an Juden und Samariter erging. Doch mit dem römischen Soldaten Kornelius, der als Vertreter von Jafet, des Sohnes Noahs angesehen werden kann, schließt Gott nicht nur den Kreis nach den Bekehrungen des äthiopischen Kämmerers und dem Juden Saulus, sondern baut er darüber hinaus auch die Brücke zu den Heiden.

Kornelius wird uns als ein Mann beschrieben, der es in der römischen Armee zu etwas gebracht hatte, da er immerhin als Hauptmann der Italischen Schar bezeichnet wird. Interessanter als seine militärischen Erfolge ist aber die Tatsache, dass von ihm berichtet wird, dass er – mit seinem ganzen Haus – fromm und gottesfürchtig war, was im Almosengeben und den Gebeten zu Gott sichtbar wurde. Möchte uns Lukas mit den beiden Begriffen deutlich machen, dass Kornelius bereits von Gott gerettet war und ihm nur noch der Heilige Geist fehlte, wie wir es bereits bei den Samaritern aus Kapitel 8,14ff. beobachten konnten?
Auch wenn man darüber wohl keine endgültige Aussage treffen kann, da uns Gottes Wort an dieser Stelle keine klare Auskunft gibt, denke ich, dass der wohl wichtigste Aspekt im Leben des Kornelius fehlte, nämlich das Wissen um das Leben, Sterben und die Auferstehung von Jesus Christus.
Doktor Wolfgang Nestvogel weist in einer Predigt über diesen Textabschnitt darauf hin, dass Lukas uns hier mit dem Wort fromm zeigen möchte, dass Kornelius ein religiöser Mensch war, der das Göttliche achtete, diese höhere Macht verehrte und davon ausging, dass der Gott der Juden irgendwie damit zusammenhängen würde. Weiter führt er aus, dass das Wort gottesfürchtig damals ein feststehender Begriff, ein sogenannter Terminus technicus darstellte, der in der Regel für eine Heiden gebraucht wurde, der dem Judentum innerlich nahe stand. Das Beten und Almosengeben sind diesbezüglich deutliche Anzeichen für den Versuch der jüdischen Frömmigkeit nachzueifern, was ihm laut Vers 22 auch gelang und ihm ein gutes Zeugnis vor der ganzen Nation der Juden einbrachte.

Erstaunlich ist auch die Tatsache, dass er diese Dinge nicht deshalb tat, um von dem Volk besser angesehen zu werden, sondern er tat es mit einem ehrlichen und aufrichtigem Herzen vor Gott, sodass der Engel Gottes ihm sagen kann, dass seine Gebete und Almosen zum Gedächtnis vor Gott hinaufgestiegen sind. Wir haben hier also einen Mann vor uns, der Gott fürchtet, zu ihm betet, gute Taten für Gott vollbringt und sich mit Menschen umgibt, die ebenfalls fromm sind. Eigentlich ein durchaus guter Mensch, ein anständiger Bürger, dem man nichts böses nachsagen kann. Ein Mann, mit dem Gott, nach unserer Einschätzung, eigentlich zufrieden sein könnte oder nicht?

Bereits Jesaja schiebt diesem Denken einen Riegel vor, indem er aufzeigt, dass auch dann, wenn man jede böse Tat ignorieren und nur die Gerechtigkeit eines Menschen nehmen und vor Gott stellen würde, diese Gerechtigkeit nicht wie ein weißes Kleid, sondern wie ein mit Dreck und lauter Unreinheit beflecktes Kleid vor Gott wäre (Jes 64,5). Das einzige Mittel, das fähig ist einen Menschen gerecht vor Gott erscheinen zu lassen ist das vergossene Blut seines Sohnes Jesus Christus. Doch wie kann ein römischer Militär, der nicht dem Volk der Juden angehört, dieses stellvertretende Opfer für sich in Anspruch nehmen, wenn er noch nie davon gehört hat? In den nächsten Versen werden wir die Antwort Gottes auf diese Frage sehen.