Andachten

Die ersten Christen

„Die nun zerstreut waren durch die Bedrängnis, die wegen Stephanus entstanden war, zogen hindurch bis nach Phönizien und Zypern und Antiochia und redeten zu niemand das Wort als allein zu Juden. Es waren aber unter ihnen einige Männer von Zypern und Kyrene, die, als sie nach Antiochia kamen, auch zu den Griechen redeten, indem sie das Evangelium von dem Herrn Jesus verkündigten. Und des Herrn Hand war mit ihnen, und eine große Zahl, die gläubig wurde, bekehrte sich zum Herrn. Es kam aber die Rede von ihnen zu den Ohren der Gemeinde in Jerusalem, und sie sandten Barnabas aus, dass er hindurchzöge bis nach Antiochia; der freute sich, als er hingekommen war und die Gnade Gottes sah, und ermahnte alle, mit Herzensentschluss bei dem Herrn zu verharren. Denn er war ein guter Mann und voll Heiligen Geistes und Glaubens. Und eine zahlreiche Menge wurde dem Herrn hinzugetan.“ (Apostelgeschichte 11,19-24)

Nachdem uns Lukas von der Bekehrung des Heiden Kornelius berichtet hat, macht er nun in den nächsten Versen eine kleine Klammer und richtet unseren Blick auf die Gläubigen, die, aufgrund der ersten Christenverfolgung, die ihren Anfang mit der Ermordung des Stephanus nahm, aus Israel in den Norden bis nach Antiochia in Syrien geflohen waren. Weiter erfahren wir von Lukas, dass diese Menschen das Evangelium von Jesus überall dort erzählten, wo sie aufgrund ihrer Vertreibung hinkamen. Das besondere dabei ist, dass es unter den Zerstreuten auch solche gab, die nicht nur zu den Juden das Wort Gottes brachten, sondern auch den Griechen von Jesus erzählten, sodass mehrere Gemeinden bestehend aus Juden- und Heidenchristen entstanden. Eine dieser Gemeinden lag in der Weltstadt Antiochia, die laut dem jüdischen Geschichtsschreiber Josephus die dritte Stadt nach Rom und Alexandria im römischen Weltreich war. Das Weitersagen von Gottes Wort durch den ganz normalen Christen, steht also immer an erster Stelle, wenn man an Gemeindegründung oder Gemeindewachstum denkt.

Doch so, wie Jesus bereits in seinem Missionsbefehl den Jüngern klargemacht hat, dass zum Jüngermachen mehr gehört, als nur einmal jemandem etwas aus der Bibel zu erzählen, erkennt auch die Gemeinde in Jerusalem die Notwendigkeit dafür, der jungen Gemeinde einen erfahrenen und gottesfürchtigen Mann für die ersten Schritte im Glauben zu senden. Und wer könnte dafür besser geeignet sein als der Sohn des Trostes? So zieht Barnabas also nach Antiochia hinauf, um die neu entstandene Gemeinde zu ermutigen, indem er sie ermahnt mit ganzem Herzen bei dem Herrn zu verharren. Bei all den guten Hinweisen, die der Text uns bezüglich Gemeindewachstum gibt, sollte man sich aber immer bewusst sein, dass Gemeindewachstum nur geschieht, wenn und wo Gott es will. Das wird sowohl in Vers 21 als auch in Vers 24b deutlich, wo steht, dass des Herrn Hand mit den Evangelisten war und dass dem Herrn eine zahlreiche Menge hinzugetan wurde, wobei hier dass Passiv anzeigt, dass es Gott selbst ist, der Menschen hinzugetan hat.

Barnabas Dienst ist an dieser Stelle aber noch nicht getan. Er weiß wie nötig jeder Christ die gesunde Lehre hat, geschweige denn wenn er erst kurze Zeit in der Nachfolge Jesu steht. Und hier kommt eine weitere schöne Eigenschaft des Barnabas zum Vorschein, dass er sich nämlich, trotz seiner hohen Stellung in der Gemeinde in Jerusalem, nicht zu schade ist, nach Tarsus zu reisen, einen gewissen Saulus aufzusuchen und ihn mit nach Antiochia zu bringen, damit dieser ihm bei der Lehraufgabe unterstützt. Ein ganzes Jahr bleiben die beiden dann in Antiochia und lehren eine zahlreiche Menge. Nicht nur die Gebildeten oder solche, mit hohem gesellschaftlichen Ansehen wurden von Saulus und Barnabas im Wort Gottes geschult, sondern eine große Menge. Es reicht eben nicht aus, dass sich nur ein kleiner Kreis oder nur die Männer in der Gemeinde mit Theologie und theologischen Fragestellungen auseinandersetzen, denn letztlich sind alle Christen Theologen, die Frage ist nur, ob wir gute oder schlechte Theologen sind. Diese gute Belehrung durch Saulus und Barnabas war vielleicht auch ein Grund dafür, dass die Gläubigen in Antiochia zuerst Christen genannt wurden (vgl. V.26). Es gab wohl kaum irgendwelche Gespräche in denen der Name Jesus Christus nicht erwähnt wurde und nur wenig ausgelassene Gelegenheiten, um von Jesus zu erzählen.

Manche Christen sehen ja in der Betonung der Lehre in der Gemeinde die Gefahr, dass das praktische Leben darunter leiden könnte. Dass man irgendwo in seinem Elfenbeinturm sitzt und das normale Leben um sich herum nicht mehr wahrnimmt. Doch das Beispiel der Gemeinde in Antiochia beweist uns genau das Gegenteil. Es zeigt uns, dass durch die Weitergabe der gesunden Lehre (durch von Gott befähigte und dann berufene Prediger), die Christen auf schwierige Umstände vorbereitet wurden. Als dann die Gemeinden in Judäa, aufgrund einer großen Hungersnot, Mangel leiden mussten, war Antiochia bereit ihren Brüdern und Schwestern im Glauben auch finanziell unter die Arme zu greifen (vgl. V.29-30). So sehen wir, dass die gesunde Lehre niemals ein Hindernis für das praktische Christenleben darstellt, sondern vielmehr dessen Grundlage ist.