Andachten

Was das Gesetz nicht kann

„Als aber Paulus und seine Begleiter von Paphos abgefahren waren, kamen sie nach Perge in Pamphylien. Johannes aber sonderte sich von ihnen ab und kehrte nach Jerusalem zurück. Sie aber zogen von Perge aus hindurch und kamen nach Antiochia in Pisidien; und sie gingen am Tag des Sabbats in die Synagoge und setzten sich. Aber nach dem Vorlesen des Gesetzes und der Propheten sandten die Vorsteher der Synagoge zu ihnen und sagten: Ihr Brüder, wenn ihr ein Wort der Ermahnung an das Volk habt, so redet! Paulus aber stand auf, winkte mit der Hand und sprach: Männer von Israel und ihr, die ihr Gott fürchtet, hört: …“ (Apostelgeschichte 13,13-16)

Nach der ersten Station auf Zypern reisen Paulus, Barnabas und Johannes nun weiter nach Perge, das an der Mittelmeerküste der heutigen Türkei liegt. An diesem Punkt der Reise berichtet uns Lukas, dass Johannes Paulus und Barnabas verließ und nach Jerusalem zurückkehrte, ohne dabei einen Grund anzugeben. Vielleicht hatte Johannes Schwierigkeiten damit, dass Paulus immer mehr die Führungsrolle im Team übernahm und nicht mehr sein Onkel Barnabas. Gut möglich, dass ihm sein, vom Judentum geprägtes Denken auch zu schaffen machte, da immer mehr die Heiden in den Fokus der Verkündigung gerieten. Ein weiterer Grund hätte auch einfach das Heimweh sein können, da in Apostelgeschichte 12,12 von der, für Petrus betende, Gemeinde berichtet wird, die sich in dem Haus der Mutter des Johannes versammelt hatten, was darauf hindeuten könnte, dass seine Mutter eine Witwe war und Johannes sich Sorgen um sie machte.

Wie dem auch sei, Paulus und Barnabas zogen ohne ihn weiter und kamen nach Antiochia in Pisidien (nicht das Antiochia aus Syrien), um am Sabbat die dortige Synagoge aufzusuchen. Dieses Prinzip, dass Paulus zuerst in die Synagoge einer Stadt ging, bevor er sich den Heiden zuwendete, werden wir auch in Zukunft beobachten können. Dieses Verhalten beweist, dass sein Wunsch aus dem Römerbrief, dass auch seine jüdischen Volksgenossen Jesus als ihren Messias erkennen mögen, aufrichtig war, weil er sonst keine Zeit in den Synagogen verschwendet hätte, von denen er stets Ablehnung und Verfolgung erfuhr. Darüber hinaus war die Synagoge auch ein guter Ort, um mit Menschen ins Gespräch über Gott zu kommen.
Das Paulus ein Rabbiner war muss auch den Vorstehern der Synagoge zu Ohren gekommen sein, da sie ihm die Möglichkeit einräumten, nach der Textlesung ein Wort an die Versammlung zu richten. Eine Chance, mit der Paulus nicht unbedingt gerechnet hat aber die er sich auf keinen Fall entgehen lässt und so finden wir hier die erste überlieferte Predigt des Paulus.

Vielleicht musste Paulus an diesen Tag denken, als er später an Timotheus schrieb, dass er zu jeder Zeit das Wort predigen solle (vgl. 2.Tim 4,2). Und womit kann man die Aufmerksamkeit einer Zuhörerschaft, bestehend aus Juden und zum Judentum konvertierten Heiden, besser gewinnen, als mit einem Abriss ihrer eigenen Vergangenheit. Beginnend vom Auszug aus Ägypten, über die Landeinnahme und die Zeit der Richter, sowie der Könige Saul und David, landet Paulus bei Jesus, dem verheißenen Retter Israels. Für die Zusammenfassung mehrere Jahrhunderte der Geschichte Israels braucht Paulus nur sechs Verse, die ihm helfen auf Jesus zu sprechen zu kommen und ganze 17 Verse verwendet er dann im Anschluss, um zu beweisen, dass Jesus der Christus ist. Paulus berichtet den Anwesenden von Johannes dem Täufer, vom Leben und Sterben bis hin zur Auferstehung Jesu und gebraucht dabei alttestamentliche Verheißungen, um seiner Predigt Autorität zu verleihen und den Juden zu zeigen, dass ihre eigenen Schriften selbst von Jesus zeugen.

Und wäre das nicht schon genug für das Ohr eines jüdischen Gläubigen, endet Paulus mit einem echten Paukenschlag, indem er den Juden ins Gesicht sagt, dass sie allein durch den Glauben an Jesus gerechtfertigt werden, etwas was das Gesetz des Mose nie im Stande war zu tun, da es nie dafür vorgesehen war (vgl. Röm 3,20). Paulus legt hier den Finger in den wunden Punkt eines jeden gläubigen Juden, da deren ganzes Leben darauf ausgerichtet ist, nach bestem Wissen und Gewissen das Gesetz einzuhalten, um so angenehm vor Gott zu sein. Doch nicht nur für die Juden, sondern für jeden Menschen ist das die gute Botschaft, dass Jesus Christus für unsere Schuld gestorben und sie bezahlt hat, wir im Vertrauen auf ihn gerettet werden und somit heilig und gerecht vor Gott stehen können.