Andachten

Kann man unwürdig des ewigen Lebens sein?

„Als sie aber hinausgingen, baten sie, dass am folgenden Sabbat diese Worte noch einmal zu ihnen geredet werden möchten. Als aber die Synagogenversammlung sich aufgelöst hatte, folgten viele der Juden und der anbetenden Proselyten dem Paulus und dem Barnabas, die zu ihnen sprachen und ihnen zuredeten, beharrlich bei der Gnade Gottes zu bleiben. Am nächsten Sabbat aber versammelte sich fast die ganze Stadt, um das Wort Gottes zu hören. Als aber die Juden die Volksmengen sahen, wurden sie von Eifersucht erfüllt und widersprachen dem, was von Paulus geredet wurde, und lästerten.“ (Apostelgeschichte 13,42-45)

Die frohe Botschaft, die Paulus in der Synagoge von Antiochia in Pisidien verkündete, hatte seine befreiende Wirkung entfaltet. Die Nachricht von der Vergebung der Sünden durch Jesus Christus, anstatt durch den Versuch, das Gesetz zu halten, musste echter Balsam für die geschundenen Seelen unter der jüdischen Gesetzlichkeit gewesen sein. Und so ist es nicht verwunderlich, dass Juden und Konvertiten aus der Synagoge den Paulus baten, dass er und Barnabas auch am nächsten Sabbat wieder zu ihnen von diesem Jesus sprechen sollten.

Paulus und Barnabas kommen dieser Aufforderung gerne nach und sind auch am nächsten Sabbat bereit, diese Botschaft den Menschen in der Synagoge zu predigen. Doch dieses Mal ist die Zuhörerschaft um ein vielfaches größer als beim ersten Mal. Offensichtlich waren bereits einige der Zuhörer durch die erste Predigt des Paulus zum Glauben durchgedrungen, was auch der Vers 43 nahe legt, in dem Paulus und Barnabas die Juden und zum Judentum konvertierten Heiden ermahnen, bei der Gnade Gottes zu bleiben. Gut vorstellbar, dass diese nun ihre Familien und Freunde zur zweiten Predigt mitgebracht hatten, sodass Lukas davon schreiben kann, dass fast die ganze Stadt zusammen gekommen war, um das Wort Gottes zu hören.

Und während immer mehr Menschen zu der Predigt des Paulus strömen, steigt im selben Maß auch die Eifersucht der Juden, die für die Synagoge die Verantwortung trugen. Es ist schon irgendwie erstaunlich, dass Paulus nicht direkt nach seiner Predigt, von den Juden abgelehnt und vertrieben wurde, doch diese große Aufmerksamkeit brachte nun endgültig das Fass zum Überlaufen, sodass die Juden dem, was Paulus predigte öffentlich widersprachen und dazu noch lästerten. Wieder begegnet uns die gleich Motivation, die auch bei den Juden in Jerusalem dazu führte, dass sie Jesus gekreuzigt sehen wollten. Und so, wie die Hohen Priester Jesus aus Neid überlieferten und ihn verspotteten, als er am Kreuz hing, so lästerten nun auch diese Juden über Jesus und machten sich über ihn lustig.

Und wie reagieren nun Paulus und Barnabas? Sie folgen genau der Anweisung, die Jesus seinen Jüngern in Matthäus 10,14 gab: Sie wenden sich von denen ab, die das Wort Gottes nicht hören wollen und schütteln den Staub von ihren Füßen ab. Das war eine typisch jüdische Handlungsweise, um den Heiden zu zeigen, dass sie sich von deren Unglauben distanzieren und den unreinen Staub nicht in jüdisches Gebiet mit hinein bringen wollen. Die Juden verstanden diese Gestik nur zu gut, doch um keinen Zweifel aufkommen zu lassen, erklärt Paulus das Verhalten, indem er den Juden vorhält, dass sie, die meinen das ewige Leben zu besitzen, sich eben jenes ewigen Lebens für unwürdig halten, da sie das Wort Gottes von sich gestoßen haben. Daraufhin fällt den Juden nichts weiter ein, als Paulus und Barnabas aus ihrem Gebiet, mit Hilfe der vornehmen Frauen und den Vorstehern der Stadt zu vertreiben.

Gott hatte aber bereits sein Werk in der Stadt getan und denjenigen, die zum ewigen Leben verordnet waren, rettenden Glauben geschenkt, sowie bewirkt, dass das Wort des Herrn durch die ganze Gegend ausgebreitet wurde. Und obwohl Paulus und Barnabas fliehen mussten und nur ein paar Tage mit den Jüngern vor Ort zusammen sein konnten, wurden diese dennoch mit Freude und Heiligem Geist erfüllt. Der Glaube dieser Jünger war eben nicht an Paulus oder Barnabas gebunden, sondern gründete sich allein auf Gottes Wort.