Evangelium

Das Evangelium in 12 Minuten (Paul Washer)


Zusammenfassung

Womit beginnt das Evangelium?

Das Evangelium (gr. „die frohe Botschaft“) beginnt mit Gott, mit seinem Wesen. Gott ist gerecht und heilig.

Aber der HERR der Heerscharen wird erhaben werden durch das Gericht, und der heilige Gott wird Sich als heilig erweisen durch Gerechtigkeit. (Jesaja‬ ‭5,16‬)

Gott kann Seine Eigenschaften nicht ändern, Er kann nichts tun, das Seinem Wesen widerspricht. Er ist ein gerechter Gott. Das ist eine gute Sache; es wäre furchtbar zu wissen, dass das Universum von einem allmächtigen, bösen, ungerechten Gott erschaffen wurde. Es ist also gut zu wissen, dass Gott gerecht ist. Aber wenn Gott gerecht ist, dann wirft das eine Frage auf: Wie steht Er uns Menschen gegenüber?

Das große Problem der Menschen

Es gibt eine biblische Grundwahrheit über Gott und sein Wesen, die für den Menschen sehr bedeutsam ist. Diese Wahrheit über Gott, hat für die Menschheit die schlimme Konsequenzen. Sie lautet: Gott ist gut.

Niemand ist gut, als nur Gott allein. (Lukas‬ ‭18,19‬b)

Warum ist das die schreckenerregendste Eigenschaft Gottes? Weil wir Menschen nicht gut sind.

Alle [Menschen] sind abgewichen, sie taugen alle zusammen nichts; es ist keiner, der Gutes tut, auch nicht einer! (Römer‬ ‭3,12‬)

Denn es ist kein Unterschied, denn alle haben gesündigt und erreichen nicht die Herrlichkeit Gottes. (‭Römer‬ ‭3,23‬)

Was muss ein gerechter, guter Gott mit Sündern (ungerechten, schlechten Menschen) wie uns tun? Kein Mensch entspricht Gottes Maßstab von Heiligkeit und Gerechtigkeit. Wir alle haben gegen Gott und sein Gesetz gesündigt, wir haben gegeneinander gesündigt, wir haben gegen die Natur gesündigt, wir haben gegen alles gesündigt – die ganze Schöpfung schreit nach unserer Verdammung. Wenn Gott tatsächlich gerecht ist, was muss er dann mit uns tun?

Wenn ein gerechter Gott Sünder wie uns einfach begnadigt, ist er nicht mehr länger gerecht. Wenn ein heiliger Gott Sünder wie uns dazu beruft, Gemeinschaft mit ihm zu haben, ist er nicht mehr länger heilig. Gott kann wegen seiner Heiligkeit keinen Kontakt mit Sünde haben. Also ist die Frage, die über allem steht und auch die zentrale Frage der Bibel: Wie kann ein gerechter Gott schlechte Menschen wie uns begnadigen und dabei gerecht bleiben? Wie kann ein heiliger Gott, Sünder dazu berufen, mit ihm Gemeinschaft zu haben und dabei heilig bleiben?

Der Herr ist langsam zum Zorn und groß an Güte, der Ungerechtigkeit und Übertretung vergibt, aber keineswegs hält er für schuldlos den Schuldigen. (‭‭4. Mose‬ ‭14,18‬a)

Die Lösung

Die Antwort finden wir an dem Kreuz Jesu Christi. Am Kreuz sehen wir eine gewaltige, einzigartige Offenbarung der Fülle von Gottes Eigenschaften. Gott ist gerecht, darum muss Er unsere Sünde verdammen. Gott ist Liebe, und deswegen wird Er selbst in seinem Sohn Jesus Christus ein Mensch und kommt auf diese verdorbene Erde, lebt ein perfektes Leben ohne Sünde und lässt Sich letztendlich von den Menschen, die Er geschaffen hat, hinrichten. An diesem Kreuz hängen mit Jesus die Sünden der Menschen, unsere Sünden.

Zur Erweisung Seiner Gerechtigkeit in der jetzigen Zeit, damit Er selbst gerecht sei und zugleich den rechtfertige, der aus dem Glauben an Jesus ist. ‭‭(Römer‬ ‭3,26‬)

Und das ganze Gericht Gottes, der ganze Zorn Gottes liegt auf Jesus Christus. Das exakte Ausmaß der Strafe Gottes, mit der die Menschen bestraft werden hätten müssen, trägt Gott selbst am Kreuz. Nach diesen umvorstellbaren Leiden, die ein Tod am Kreuz mit sich bringt, sagte Jesus: “Es ist vollbracht!”

Als nun Jesus den Essig genommen hatte, sprach er: Es ist vollbracht!, und neigte das Haupt und verschied. (Johannes 19,30)

Das bedeutet: Er tat, was erforderlich war, um der Gerechtigkeit Gottes Genüge zu tun; Er hat den Preis komplett bezahlt. Das ist sehr wichtig zu verstehen. Unsere Sünden wurden nicht einfach nur deshalb gesühnt, weil die Römer Jesus am Kreuz hingerichtet haben, sie wurden gesühnt, weil Er an diesem Kreuz unsere Sünde getragen hat und weil Gott es so wollte.

Doch es war der Wille des Herrn, Ihn leiden zu lassen und zu vernichten. (Jesaja 53,10)

Der Zorn Gottes, der dich und mich hätte treffen müssen, traf Seinen einzigen Sohn. Und Er hat das Leid am Kreuz für uns ertragen, Er hat den Preis bezahlt, Er starb und am dritten Tag nach Seinem Tod ist Er wieder von den Toten auferstanden.

Und jetzt sitzt Er zur Rechten Gottes, und es gibt keinen anderen Namen als Jesus Christus, durch den wir gerettet werden können, niemand durch den wir zu Gott kommen können.

Und es ist in keinem anderen das Heil; denn es ist kein anderer Name unter dem Himmel den Menschen gegeben, in dem wir gerettet werden sollen! (Apostelgeschichte 4,12)

Jesus spricht zu ihm: Ich bin der Weg und die Wahrheit und das Leben; niemand kommt zum Vater als nur durch Mich! (Johannes 14,6)

Denn es ist ein Gott und ein Mittler zwischen Gott und den Menschen, der Mensch Christus Jesus, der sich selbst als Lösegeld für alle gegeben hat. (1. Timotheus 2,5)

Buße und Glauben

Um gerettet zu werden, ruft die Bibel alle Menschen dazu auf, Buße über ihre Sünden zu tun und dem Evangelium zu glauben.

Nun hat zwar Gott über die Zeiten der Unwissenheit hinweggesehen, jetzt aber gebietet er allen Menschen überall, Buße zu tun. (Apostelgeschichte 17,30)

Was bedeutet es, Buße zu tun? Im griechischen Urtext bedeutet es, seine Gesinnung zu ändern; so definieren es auch viele Theologen. Es bedeutet aber so viel mehr als das, was wir in unserer heutigen Kultur und Sprache zu erfassen in der Lage sind. Vielleicht denkst du: “Einfach nur die Gesinnung eines Menschen zu ändern – das ist doch ziemlich oberflächlich.” Aber es wird dann durchdringend und tief, wenn man versteht, was die Gesinnung (gr. νοῦς /nous/) ist. In der Bibel bezieht sich dieses Wort auf den Verstand und das Herz, auf das Kontrollzentrum eines menschlichen Wesens. Es kontrolliert unseren Willen, unsere Emotionen, unseren Intellekt und unsere Entscheidungsfähigkeit. Das heißt, wenn du deine Gesinnung geändert hast, wird sich alles andere mit ihr verändern. Eine sehr gute Beschreibung von Buße, findet sich im Leben des Apostels Paulus, dessen Gesinnung sich auch geändert hat. Er befand sich einmal auf einer Reise nach Damaskus und war mit dem Auftrag unterwegs, Christen gefangen zu nehmen und umzubringen. Warum? Weil er dachte, dass Jesus der größte Gotteslästerer war, der jemals auf dieser Erde gelebt hat und dass die Christen eine schreckliche Sekte wäre, die zerstört werden muss. Das ist das, was er dachte. Als er dann auf dem Weg nach Damaskus war, begegnete er dem auferstandenen Jesus Christus. Was passierte? Seine Gesinnung änderte sich. Seine ganze Lebensrealität erwies sich als falsch. Alles was er bisher als wahr und real ansah, insbesondere im Bezug auf Gott, war unwahr. Er erkannte, dass er komplett falsch lag und er begann vollkommen anders zu denken. Nun dachte er, dass Jesus der Sohn Gottes und der schon lang erwartete Messias ist. Er glaubte nun, dass die Christen, die Kinder Gottes, das wahre Volk Gottes sind. Und weil sich sein Denken, seine Gesinnung änderte, veränderte sich auch alles andere. Nachdem er getauft wurde, begann er seinen Dienst und predigte das Evangelium. Er wurde nun verfolgt und bedrängt wegen eben diesem Glauben, den er einst verfolgte und deren Anhänger er umbrachte. An diesem Beispiel sieht man deutlich: Buße zu tun bedeutet zuzugeben, dass die ganze Gesinnung, die man bisher hatte, falsch ist und dann Gottes Wahrheiten zu erkennen und sich ihnen unterzuordnen. Die Wahrheiten über Gottes Wesen, über unser menschliches Wesen und darüber, was er in dem Werk seiner Errettung getan hat.

Die entscheidende Frage

Die alles entscheidende Frage für dich ist: Hast du Buße getan? Hast du einen Sinneswandel erlebt? Hat dieser Sinneswandel dazu geführt, dass sich alles andere in deinem Leben geändert hat? Eine Veränderung des Verstandes, eine Veränderung des Willens, eine Veränderung der Emotionen? Hasst du die Sünde, die du früher geliebt hast? Wünscht du dir die Heiligkeit, die du einmal verachtet hast? Schätzt du den Christus, von dessen Gemeinschaft du einst abgeschnitten warst? Erachtest du das Reich Gottes als eine Perle, als einen großen Preis? Dies sind sichere Beweise dafür, dass das Werk echter Buße in deinem Herzen getan wurde.

Der Glaube an Jesus Christus

Die Buße ist aber noch nicht alles. Wir müssen auch an das Evangelium, die Botschaft Jesu Christi, glauben, um gerettet zu werden.

Die Zeit ist erfüllt, und das Reich Gottes ist nahe gekommen. Tut Buße und glaubt an das Evangelium. (Markus 1,15)

Wir müssen verstehen, dass absolut nichts in uns ist, das uns erretten kann. Wir müssen erkennen, dass wir als Menschen nur eine einzige Hoffnung haben.

Deshalb umgürtet die Lenden eurer Gesinnung, seid nüchtern und hofft völlig auf die Gnade, die euch gebracht wird bei der Offenbarung Jesu Christi. (‭‭1. Petrus‬ ‭1,13‬)

100 Prozent dieser Hoffnung findet sich in der Person und in dem Werk Jesu Christi, wir müssen wissen, dass wir uns selbst nicht retten können.

Denn durch die Gnade seid ihr errettet, mittelst des Glaubens; und das nicht aus euch, Gottes Gabe ist es; nicht aus Werken, damit niemand sich rühme. (‭‭Epheser‬ ‭2,8-9‬)

Wenn jemand auch nur andeutet, dass wir durch manche gerechten Werke in den Himmel kommen könnten, müssen wir vor diesem Gedanken erschaudern und rufen: „Nein! Nein! Nein!“

Die Rettung wird ausschließlich dadurch gewirkt, dass vor 2000 Jahren der Sohn Gottes für mich blutete und starb. Also kommt das Heil zu uns, durch Buße und durch den Glauben an Jesus Christus. Wenn du nun wahrhaftig an Jesus glaubst, hast du ewiges Leben. Aber woher weißt du, ob du wirklich glaubst? Selbst wenn du so etwas wie ein Bekehrungserlebnis hattest und einen Frieden in deinem Herzen gefühlt hast und es deine Emotionen so sehr beeinflusst hat, woher genau weißt du, dass dein Glaube echt und real ist und dass er dich einmal vor Gottes Gericht retten wird? Einer von vielen Gründen, an dem du fest machen kannst, dass dein Glaube echt ist, ist dass er bestehen bleibt. Es ist nicht in erster Linie ein Gefühlshoch, das bestehen bleiben wird, sondern ein kontinuierliches Wachstum in der Gnade, eine fortwährende, immer tiefer gehende Buße und ein immer stärker werdendes Vertrauen. Dein Charakter wird mehr und mehr in das Bild Jesu Christi umgestaltet.

Fragen zum Christsein

Kann ein echter Christ sündigen? Ja, traurigerweise ja. Kann ein echter Christ in Sünde fallen? Ja! Aber hier ist der Unterschied: Ein echter Christ kann nicht in einem kontinuierlichen Zustand der Sündhaftigkeit leben.

Was heißt das nun? Sollen wir an der Sünde festhalten, damit die Gnade sich noch mächtiger auswirken kann? Auf keinen Fall! Für die Sünde sind wir doch schon gestorben, wie können wir da noch in ihr leben? (Römer 6,1-2)

Das Werk des Glaubens, das Gott in uns getan hat, wird auch vollendet, denn:

Der, der ein gutes Werk in euch angefangen hat, [wird] es vollenden bis auf den Tag Christi Jesu. (Philipper 1,6)

Ein sicheres Merkmal einer echten Bekehrung finden wir in dem Hebräerbrief:

Denn wen der Herr liebt, den züchtigt er; er schlägt aber jeden Sohn, den er aufnimmt. (Hebräer 12,6)

Das bedeutet, dass Gott sich wie ein Vater um uns sorgt, und uns deshalb auch durch Leid führt um unseren Lebensweg zurechtzurücken. Das ist ein Ausdruck seiner Liebe, kein Zeichen dafür, dass sich seine Einstellung uns gegenüber geändert hätte. Er wünscht sich unsere Heiligung.

Zusammenfassung

Das Evangelium Jesu Christi ist die Botschaft, dass Gott gerecht ist und dass der Mensch absolut verdorben ist und somit nichts als Verdammnis verdient hat. Es beinhaltet die Tatsache, dass Gottes gerechtem Zorn zuerst Genüge getan werden musste, um den Menschen vergeben zu können und das geschah am Kreuz, an dem Christus anstelle der Menschen ihre Sünde trug und wegen dem vollen Gewicht von Gottes Zorn dort starb. Durch sein Leiden und seinen Tod, hat er den Preis komplett bezahlt. Er ist wieder auferstanden und deshalb können alle Menschen überall zum Heil finden und gerettet werden, und das durch Buße und durch den Glauben an Jesus Christus. Dies wird in der Bibel auch als Bekehrung bezeichnet; und der Beweis für eine echte Bekehrung ist Gottes veränderndes Arbeiten an unserem menschlichen Charakter, die Heiligung.